Ihre Aktuelle Position: > im Dorf > Forstrevier, Irndorfer Wald

Das Forstrevier, der Irndorfer Wald.
Wald nimmt in der Gemeinde Irndorf eine Fläche von 620 Hektar ein, das sind 43 % der Gesamtfläche.
Der Privatwald umfaßt 270 ha und ist auf ebenso viele Besitzer verteilt - direkte Folge der „Realteilung", also der früher üblichen Teilung der Grundstücke im Erbfall auf alle Erben.
Der Privatwald stammt überwiegend aus zwei Aufforstungswellen um 1960 und von 1980 bis 1990. Der Rückgang der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung begünstigte die Aufforstung, die auch staatlich gefördert wurde. Während die Aufforstungen der 60‘er Jahre weit überwiegend Nadelholz aufweisen, kam ab 1980 im Rahmen der Förderung Laubholz von 20 bis später 40 % der Fläche dazu. Oft konnte ein schöner Laubholztrauf geschaffen werden.
Der Kleinprivatwald wird vom vor Ort ansässigen Förster und dem Staatl. Forstamt Wehingen -meistens auf Anfrage- betreut.
Der Gemeindewald mit einer Größe von 350 Hektar teilt sich in 2 Distrikte:
„Hardt" und „Donauhalde".
Das „Hardt" liegt nördlich von Irndorf, umschließt das bekannte NSG „Irndorfer Hardt" und zieht sich an der Grenze zu Schwenningen/Heuberg bis zum NSG „Simonstal".
Dank teilweise mächtiger Schichten von Kalkverwitterungslehm, die neben Nährstoffen auch Wasserspeicherkapazität bieten, wächst hier der Wald überraschend gut.
Die „Donauhalde" erstreckt sich vom Aussichtspunkt „Eichfelsen" in westlicher Richtung bis zum Wald des Fürstenhauses Sigmaringen-Hohenzollern, bis etwa oberhalb von Beuron, das zum Landkreis Sigmaringen gehört.
Die verschiedensten Felsen und Geröllhalden prägen große Flächen dieses Distrikts, den meist Wasserarmut und geringe Humusauflage kennzeichnen. Nur in Einschnitten, die der Sonne abgewandt sind, wächst der Wald gut, weil die Wasserversorgung besser ist und sich dort mehr Humus bilden konnte.
Derzeit sind 76 ha des Gemeindewaldes aus der regelmäßigen Bewirtschaftung herausgenommen, weil sich die Holzernte auf diesen meist steilen Hängen mit Behinderungen durch Felsen nicht rechnet. Da auch das Baumwachstum meist sehr langsam verläuft, geht durch die Bewirtschaftungs"pause" aber auch nichts verloren.
Etwa ein Drittel des Waldes ist gesetzlich als Bodenschutzwald geschützt, 42 ha sind Wasserschutzgebiet. 33 ha groß ist die Summe der wertvollen Biotope, die im Rahmen der Waldbiotopkartierung um 1999 kartiert wurden. Als Erholungswald ist etwa ein Viertel der Waldfläche eingestuft. Die Bewirtschaftung des Waldes nimmt auf diese Schutzfunktionsflächen Rücksicht und fördert ihre Wertigkeit.
Der Gemeindewald Irndorf hatte 1998 einen Holzvorrat von 110.000 Vorratsfestmetern, etwa die Hälfte ist Nadelholz (v.a. Fichte, nur einige Prozentanteile Tanne, Douglasie und Kiefer), das Laubholz wird angeführt von der Buche mit 38 % Anteil, Esche, Berg- und Spitzahorn machen rd. 10 % aus. Eiche, Ulme, Linde, Hainbuche sind in geringen Anteilen beigemischt.
Jährlich können n a c h h a l t i g 2.500 Festmeter Holz genutzt werden.
Nachhaltig heißt, es wird nur soviel entnommen, wie wieder nachwächst; es bedeutet aber auch, daß die Bewirtschaftung ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt.
Der Einschlag und alle weiteren Maßnahmen im Wald werden jährlich vom Forstamt geplant und von der Gemeinde beraten und genehmigt. Die Gemeinde bezahlt an das Land einen Kostenbeitrag für die Beförsterung, also die Bewirtschaftung des Waldes durch den örtlich zuständigen Förster und das Staatliche Forstamt.
Unser heimisches Holz konkurriert heute mit Holz aus Skandinavien und den Ostblockländern, wo Devisen manchmal mehr zählen als Nachhaltigkeit.
Um den Qualitätsstandard unseres Holzes zu dokumentieren, hat sich auch die Gemeinde Irndorf nach PEFC zertifizieren lassen und verpflichtet sich damit, die geforderten, umfassenden Gebote des PEFC-Zertifikats einzuhalten.
Die Verjüngung des Waldes geschieht heute meist über die natürliche Verjüngung der Bäume: Aus Samen der noch vorhandenen Altbäume wachsen junge Pflanzen nach, die bestens an Standort und Klima angepaßt sind. Nur Lücken aus Kalamitätsflächen (Sturm, Eis-, Schneebruch) und Flächen, die durch die Ernte der alten Bäume entstanden sind, werden genutzt, um weniger vorhandene Baumarten durch Pflanzung einzubringen.
Im Gemeindewald Irndorf werden in die großflächig angelegten Laubholznaturverjüngungen in großen Abständen noch Nadelhölzer eingebracht, die sonst fehlen würden.
Die Jagd spielt bei der natürlichen Verjüngung der Bäume eine Schlüsselrolle: werden die Bestände des Rehwilds nicht auf einem angepaßten Stand gehalten, kommt es zu Verbißschäden an den Knospen der kleinen Bäumchen, die deren Wachstum erschweren oder gar zum Totalausfall einzelner Baumarten führen können.
Die meist großflächig vorhandenen Verjüngungen im Gemeindewald Irndorf bieten reichlich Nahrung und Deckung. Die Jäger sind aufgefordert, ihr Handwerk verantwortungsvoll auszuüben und durch eine entsprechende Bejagung des Rehwildes dafür Sorge zu tragen, daß der Wald sich auf natürliche Weise verjüngen kann.
In Baden-Württemberg wird im Abstand von drei Jahren ein „forstliches Gutachten" zur Festsetzung der Abschußpläne gemacht, das für jedes Jagdrevier festhält, wie die Situation ist, was sich verbessert oder was sich verschlechtert hat.
Den Jägern allgemein wird die Jagdausübung erleichtert, wenn sich Waldbesucher an die zahlreichen gut ausgeschilderten Wanderwege halten.
Langlaufen im Winter, das Blühen der Kirschbäume und Schlehen im Frühjahr, die schattigen Waldwege im Sommer und die farbenprächtige Laubfärbung im Herbst laden Besucher zu jeder Jahreszeit zum Verweilen in der vielfältigen Natur ein.
Der Wald- und Obstbaumlehrpfad „Wacht", oberhalb des Sportplatzes „Rauher Stein" gelegen, zeigt neben vielen Sträuchern und Waldbäumen auch selten gewordene Obstbäume.Der Obst- und Gartenbauverein hat auch eine sehenswerte Nützlingsstation geschaffen.
Die Forstverwaltung bietet im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten und nach Absprache Führungen im Wald an, die neben Informationen über Baum-, Strauch- und Holzartenauch Verständnis für die ökologische Dynamik des Waldes, für die Holznutzung und die Berufe im Wald schaffen sollen. 

Harald Müller
hard_2.jpg (36355 Byte)
hard_3.jpg (30286 Byte)
hard_1.jpg (13302 Byte)