hauptmenue.gif (2472 Byte)
.
 
Das Irndorfer Hardt.

Das Irndorfer Hardt hat - nicht nur in botanischen Fachkreisen - einen überregionalen Ruf als Refugium seltener Pflanzen. Frau Hilde Hermann (frühere Irndorfer Schullehrerin)  hat dazu dankenswerterweise einen informativen und kurzweiligen Text verfasst.

Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie auf die Vorschaubilder.
 


Die vielen Autos, die sonntags auf den Parkplätzen im Süden zwischen Irndorf und Schwenningen und im Norden bei den Harthöfen parken, lassen vermuten, dass es in der Nähe etwas Besonderes zu sehen gibt.
Von Süden her öffnet sich der Wald nach einer zehnminütigen Einstimmungsstrecke zu einer schüsselartigen Lichtung mit einem Durchmesser von einem Kilometer inmitten bewaldeter Hügel.
Einzelne Bäume und Baumgruppen, Fichten mit Ästen bis auf den Boden, daneben grazile Birken und knorrige Eichen, lenken den Blick auf sich und bewirken den parkähnlichen, einzigartigen Reiz dieses 103 ha großen Naturschutzgebietes.

Im Frühling sind die Wiesen übersät von Buschwindröschen und Traubenhyazinthen und danach von Trollblumen. Ende Juni konkurriert das Gelb der Arnikablüte mit dem Violett des Waldstorchschnabels. Der stolze Blütenstand des Gelben Enzian fällt jedem Besucher auf. Die Pflanzenkenner entdecken besondere Kostbarkeiten, z.B.: Berghähnlein, niedere Schwarzwurzel, lebendgebärender Knöterich, Moorklee, Weißer Germer... und besonders die Bleichweide, die sonst in Deutschland fast verschwunden ist.

Diese Vielfalt an Alpenblumen, ein Überbleibsel aus der Eiszeit, verdankt das Hardt der Muldenlage, in die vor allem in klaren Nächten die Kälte absinkt und einen Kältesee bildet. Es kann in jedem Monat im Jahr Frosttage geben. Die fast unglaublich klingenden Tiefsttemperaturen der Fernsehwetterberichte werden auch hier gemessen z.B. Weihnachten 2001  -31°, im Dorf -18°.

Das Regenwasser hat ebenfalls keinen Abfluss. Es muss in der Erde versickern. Dabei löst es Kalk auf und es kommt zu der Karsterscheinung der Dolinen. Wie eine Kette reihen sich diese Erdfälle aneinander.
In der Mitte der Mulde finden wir zwei kleine Birkenwäldchen, eine große Besonderheit auf der Schwäbischen Alb, welche sauren Lehmboden anzeigen.

Kommt man an einem sonnigen Sommernachmittag ins Hardt, so ist man erstaunt über die Vielzahl und Artenvielfalt der Schmetterlinge wie Bläulinge und Widderchen, die die Blüten von Teufelsabbiss und Färberscharte besuchen.
Im Irndorfer Hardt wird durch einmaliges Mähen die Landschaft so erhalten wie sie in weiten Teilen des Landes vor mehr als 200 Jahren aussah, als Holzwiese oder Waldweide (mittelhochdeutsch Hardt).
Auch im Winter ist das Hardt ein idealer Erholungsort. Die Langläufer preisen die Loipe als schönste und schneesicherste der Umgebung.
Abends und in der Nacht bildet sich oft dichter Bodennebel, der die Gegend furchterregend erscheinen lässt. So ist es nicht verwunderlich, dass das böse Hardtweible der Sage nach hier sein Unwesen treibt. 

Hilde Hermann